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<title>Reflexivpronomen</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Reflexivpronomen</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p>Das <b>Reflexivpronomen</b> (auch: <b>Reflexiv[um]; rückbezügliches Fürwort</b>) ist ein <a href="Pronomen" title="Pronomen">Pronomen</a>, das sich vom <a href="Personalpronomen" title="Personalpronomen">Personalpronomen</a> dadurch unterscheidet, dass es auf Einheiten verweist, die besonders nahe stehen, in der Regel in demselben (Teil-)Satz. Beispielsweise unterscheiden sich das Reflexivpronomen <i>sich</i> und das Personalpronomen <i>ihn</i> im folgenden Beispiel dadurch, dass nur <i>sich</i> auf das Subjekt desselben Nebensatzes bezogen sein kann (der Bezug auf dasselbe Individuum ist im Beispiel durch einen gemeinsamen Index „i“ markiert):
</p>
<pre>a) <i>Otto<sub>i</sub> bemerkte, dass Karl <b>ihn</b><sub>i</sub> im Spiegel beobachtete</i> (= Gegenstand der Beobachtung ist Otto).
b) <i>Otto bemerkte, dass Karl<sub>i</sub> <b>sich</b><sub>i</sub> im Spiegel beobachtete</i> (= Gegenstand der Beobachtung ist Karl).
</pre>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Verwendung">Verwendung</h2></div>
<p>Im Deutschen ist die Verwendung von Reflexiva relativ frei: Es ist zwar typisch, dass sie sich auf vorausgehende <a href="Subjekt_(Grammatik)" title="Subjekt (Grammatik)">Subjekte</a> beziehen, aber sie können auch auf andere Satzteile bezogen werden, solange nur das Bezugswort in der grammatischen Hierarchie höher steht als das Reflexiv. Diese Hierarchie ist (in absteigender Ordnung): Subjekt &gt; indirektes Objekt &gt; direktes Objekt &gt; Präpositionalobjekt. Beispielsweise kann also ein Reflexiv als direktes Objekt an ein indirektes Objekt gebunden werden.
</p><p>Beispiele:<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<pre><i>Wir zeigten ihm<sub>i</sub> sich<sub>i</sub> selbst im Spiegel</i>
<i>Otto<sub>i</sub> sprach mit sich<sub>i</sub> selbst</i>
<i>Wir klärten Anna<sub>i</sub> über sich<sub>i</sub> selbst auf</i>
</pre>
<p>Ein Reflexivpronomen innerhalb einer <a href="Nominalphrase" title="Nominalphrase">Nominalphrase</a> kann sich auf den Genitiv in derselben Nominalphrase beziehen:
</p>
<pre><i>Annas<sub>i</sub> Stolz auf sich<sub>i</sub> selbst</i>
</pre>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Formen_des_Reflexivs_im_Deutschen">Formen des Reflexivs im Deutschen</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Gegenwartsdeutsch">Gegenwartsdeutsch</h3></div>
<p>Das deutsche Reflexivpronomen <i>sich</i> unterscheidet anders als das Personalpronomen keine <a href="Numerus" title="Numerus">Numerus</a>- und <a href="Genus" title="Genus">Genusmerkmale</a>. Es tritt ausschließlich in der 3. Person auf und kann die Funktion eines Dativs oder Akkusativs haben. In allen Fällen, die von der Form <i>sich</i> nicht abgedeckt werden können, tritt die entsprechende Form des <a href="Personalpronomen" title="Personalpronomen">Personalpronomens</a> ein, also für 1. und 2. Person sowie für Genitive, zum Beispiel:
</p>
<pre><i>Ich habe bemerkt, dass du<sub>i</sub> <b>dich</b><sub>i</sub> im Spiegel beobachtest.</i> (vgl.: <i>Ich beobachte <b>dich.</b> </i>)
<i>Der Dichter<sub>i</sub> war <b>seiner</b><sub>i</sub> selbst überdrüssig geworden.</i> (vgl.: <i>Wir waren <b>seiner</b> überdrüssig.</i>)
</pre>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Geschichtliche_Entwicklung">Geschichtliche Entwicklung</h3></div>
<p>Die deutsche Form <i>sich</i> ist ursprünglich die Akkusativform und hat sich erst ab dem Ende der <a href="Fr%C3%BChneuhochdeutsch" class="mw-redirect" title="Frühneuhochdeutsch">frühneuhochdeutschen</a> Epoche auf den Dativ ausgedehnt. Die alte germanische Dativform (sie würde lautgesetzlich <i>sir</i> aus urgermanisch *<i>siz</i> lauten, analog zu <i>mir / dir</i>) war zuvor im Deutschen verlorengegangen; daher sprang dann zunächst auch im Dativ das Personalpronomen <i>ihm / ihr</i> für die reflexive Funktion ein. Dieser Gebrauch ist typisch für das Frühneuhochdeutsche und findet sich zum Beispiel in <a href="Lutherbibel" title="Lutherbibel">Luthers Bibelübersetzung</a>:<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<pre><i>Aber Daniel <b>setzete ihm vor</b> in seinem Herzen,</i>
(= nahm sich (Dat.) vor)
<i>daß er <b>sich</b> mit des Königes Speise (…) nicht <b>verunreinigen</b> wollt.</i>
(Akk.)
</pre>
<p>Dieser Stand ist auch in manchen deutschen Dialekten bewahrt, etwa im Bairischen:<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<pre><i>Da Petrus roat’t a wenk ban eahm selba, fuatgehn, denkt er eahm, loß ih n doh nit.</i>
„(Der) Petrus überlegt ein wenig bei sich selber (wörtl.: <i>ihm selber</i>), fortgehen, denkt er sich (wörtl.: <i>ihm</i>), lasse ich ihn doch nicht.“
</pre>
<p>Eine vollständige Deklination des Reflexivs findet sich hingegen heute noch im <a href="Isl%C3%A4ndische_Sprache#Reflexivpronomen" title="Isländische Sprache">Isländischen</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weitere_Funktionen">Weitere Funktionen</h2></div>
<p>Im Deutschen wie auch in anderen Sprachen wie <a href="Franz%C3%B6sische_Sprache" title="Französische Sprache">Französisch</a> oder <a href="Latein" title="Latein">Latein</a> ist das Reflexivpronomen auch fester Teil von gewissen Verben, ohne wirklich eine rückbezügliche Bedeutung zu haben, beispielsweise <i>sich erinnern, sich verabreden, sich langweilen</i>.
</p><p>In der deutschen Sprache wird das Reflexivpronomen <i>sich</i> häufig synonym zu <a href="Reziprokpronomen" title="Reziprokpronomen">Reziprokpronomen</a> wie <i>einander</i> gebraucht, z.&nbsp;B. in der Phrase <i>sie waschen sich</i>. Hierbei kommt es zu einer <a href="Ambiguit%C3%A4t" class="mw-redirect" title="Ambiguität">Ambiguität</a>, sodass dieser Satz auf zwei Weisen interpretiert werden kann. Zum einen als <i>sie waschen einander</i> und zum anderen als <i>sie waschen sich selbst</i>. Die genaue Interpretation muss dann aus dem Kontext erschlossen werden.
</p><p>Eine Besonderheit im Gebrauch von Reflexivpronomen mancher Sprachen ist ferner der <a href="Logophorizit%C3%A4t" title="Logophorizität">logophorische</a> Gebrauch (Details siehe dort).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Reflexivpronomina_in_anderen_Sprachen">Reflexivpronomina in anderen Sprachen</h2></div>

<p>In den <a href="Slawische_Sprache" class="mw-redirect" title="Slawische Sprache">slawischen Sprachen</a> findet sich eine Unterscheidung zwischen Pronomen und Reflexiv auch bei <a href="Possessivpronomen" class="mw-redirect" title="Possessivpronomen">Possessiva</a>, sodass Fälle auseinandergehalten werden können, wo im Deutschen Mehrdeutigkeit entsteht. Beispielsweise erlauben <a href="Bosnische_Sprache" title="Bosnische Sprache">Bosnisch</a>, <a href="Kroatische_Sprache" title="Kroatische Sprache">Kroatisch</a> und <a href="Serbische_Sprache" title="Serbische Sprache">Serbisch</a> Unterscheidungen wie folgende:
</p>
<dl><dd><i>Ana je dala Fatimi <b>svoju</b> knjigu.</i> → „Ana gab Fatima ihr<sup>reflexiv</sup> Buch.“ (also „Ana gab Fatima Anas Buch.“)</dd>
<dd><i>Ana je dala Fatimi <b>njenu</b> knjigu.</i> → „Ana gab Fatima ihr<sup>nicht-reflexiv</sup> Buch.“ (also „Ana gab Fatima Fatimas Buch.“)</dd></dl>
<p>Je nach Sprache kann die mögliche Reichweite des Bezugs für ein Reflexivpronomen variieren. Die Definition dieser Grenze ist in der Linguistik ein Gegenstand der <a href="Bindungstheorie_(Sprachwissenschaft)" title="Bindungstheorie (Sprachwissenschaft)">Bindungstheorie</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><span class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Wiktionary"></span></span></span><b><a href="https://de.wiktionary.org/wiki/Reflexivpronomen" class="extiw external" title="wikt:Reflexivpronomen">Wiktionary: Reflexivpronomen</a></b>&nbsp;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Das zweite und dritte Beispiel aus: <i>Duden – Die Grammatik.</i> 8. Auflage. 2009, Rn. 367, S. 274.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://books.google.de/books?id=75toAAAAcAAJ&amp;lpg=RA1-PA218&amp;ots=qjPAbaEEAW&amp;dq=%22setzete%20ihm%20vor%22&amp;hl=de&amp;pg=RA1-PA218#v=onepage&amp;q=%22setzete%20ihm%20vor%22&amp;f=false">Daniel 1,8</a> in der Lutherbibel, 1534.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Theo Vennemann: <i>Die germanischen Sprachen und die Reflexivierungstypologie.</i> In: <i>Sprachwissenschaft</i>, 40-1 (2015), S. 3–44 (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://s3.amazonaws.com/academia.edu.documents/38449356/Vennemann_Reflexivierungstypol.pdf?AWSAccessKeyId=AKIAIWOWYYGZ2Y53UL3A&amp;Expires=1506861977&amp;Signature=He85%2BCL2OAygcD5YaAsafUfEw7I%3D&amp;response-content-disposition=inline%3B%20filename%3DDie_germanischen_Sprachen_und_die_Reflex.pdf">PDF-Datei</a>) S. 9, Fußnote 6.</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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